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Warum brauchen Pferde überhaupt eine Zahnbehandlung?

Das Pferd war ursprünglich ein Steppentier, das ca. 18 Stunden am Tag harte Halme zerkaute. Dabei wurde die gesamte Kaufläche seiner Backenzähne gleichmäßig abgenutzt. Auch die Schneidezähne wurden beim Abbeißen des harten Grases abgerieben. Anders als beim Menschen, schiebt das Pferd zeitlebens Zahnsubstanz aus dem Zahnfach nach, um die durch Abrieb verloren gegangene Zahnsubstanz zu ersetzen, d.h. Abrieb und Nachschub hielten sich die Waage.

Dies ist bei der heutigen Pferdehaltung jedoch nicht mehr gegeben. Dadurch kommt es zu einer unphysiologischen (abnormalen, abweichend vom Gesunden) Abnutzung des Pferdegebisses. Die Kaubewegung ist bei Raufutter wie Heu und Gras, am Größten, bei Hafer findet nur noch 50% der optimalen Kaubewegung statt und bei Kleie und Müsli sind es nur noch 20%. Dadurch haben die Randbereiche der Zähne keinen ausreichenden Abrieb mehr und es entstehen die glassplitterscharfen Zahnkanten. Sie ragen im Oberkiefer in Richtung Wangenschleimhaut und im Unterkiefer in Richtung Zunge und führen zu Schmerzen und Verletzungen. Diese Probleme treten schon ab dem zweiten Lebensjahr auf.

Durch Fehlstellungen der Kiefer oder eine für das Pferd unnatürliche Fressposition mit hoher Kopfhaltung kann es zu einer ungenügenden Abnutzung einzelner Zähne oder Zahnteile kommen. Es bilden sich sog. Zahnhaken und –rampen oder ganze Wellen oder Stufen auf der Kaufläche, die eine normale Kaubewegung  verhindern. Weitere Probleme können sich durch Zahn- oder Kieferfrakturen (Brüche), faule und lockere Zähne, Zahnfehlstellungen, überzählige Zähne, eingespießte Fremdkörper (Holzsplitter o.ä.) oder sog. Meisselzähne ergeben. Letztere entstehen, wenn ein gegenüberliegender Zahn fehlt. Der vorhandene Zahn wird dann überlang und kann sich, wenn er nicht gekürzt wird, durch die Schleimhaut und im Extremfall sogar durch den Knochen auf der gegenüberliegenden Seite bohren.

Die sog. Wolfszähne sind die vordersten Backenzähne der Pferde. Sie haben aber im Laufe der Evolution ihre Funktion bei der Nahrungsaufnahme verloren und sich zurückgebildet. Sie sind meist kleiner als die übrigen Backenzähne oder liegen unter der Schleimhaut und bereiten durch den Druck des Trensengebisses Schmerzen. Deshalb sollten diese Zähne möglichst früh entfernt werden.

Wenn eine normale Kaubewegung durch Schmerzen oder überlange Zähne verhindert wird, hat dies Fehlbelastungen im Kiefergelenk zur Folge. Schmerzen im Kiefergelenk können in Hals und Rücken ausstrahlen und zur Ursache von Rittigkeitsproblemen und Lahmheiten werden.